Fachfragen zum Thema Ätherische Öle


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    Eintrag Nr. 70:

    Hallo,
    Ich bin von Schnapsbrennen.at auf ihre Seite gekommen und mich würde nun interessieren wie man genau ein Parfum oder eine Creme macht
    Mit freundlichen grüßen,
    Hans Müller


    Hans Müller, D
    18.Mai.2004 21:49:38


      Für Parfum verwenden Sie geschmacks-/geruchsneutralen Alkohol mit 85-95%vol, auf 10 ml kommen ca. 40-60 Tropfen ätherisches Öl. Statt des Alkohols kann man auch Jojobaöl nehmen. Welche Ölsorten Sie zugeben, hängt von Ihrer persönlichen Vorliebe ab. Prinzipiell besteht Parfum immer aus einer Kopfnote (Zitrusöl, Nadelöl), Herznote (Blumenöle), einer Basisnote (Öle aus Rinden und Wurzeln) sowie Gewürzölen.
      Für eine Creme werden zum Beispiel 2 g Bienenwachs, 8 g LAnolin und 20 ml neutrales Öl wie Distelöl erhitzt und geschmolzen, dann gibt man 20 ml Hydrolat zu, das ebenfalls vorher erwärmt wird. Ist die Mischung auf ca. 35°C abgekühlt, so kommen noch 10-15 Tropfen ätherisches Öl hinzu.

    Eintrag Nr. 69:

    Nun hab´ich doch noch etwas vergessen (es ist eben schon ziemlich spät..;-)):
    Mit vieviel Gewichtsprozent Ölausbeute kann bei den Pflanzen überhaupt "maximal" gerechnet werden. Und wie lange dauert solch eine Destillation ca. (damit meine ich nicht die Zeit des mehrwöchigen "stehen lassens" bis zur Trennung des Öl/Hydrolats)?
    Ist aber wahrscheinlich genau so schwierig zu beantworten...??
    Beste Grüße
    A.Clausen


    Asmus Clausen, Cuxhaven
    14.Mai.2004 01:01:13


      Minze hat z.B. 1-3% Ölausbeute, Fenchel 2-5%, Gewürznelken 16-19%, bei Zitronenmelisse hingegen nur 0,015-0,1%. Eine Destillation mit z.B. 1,5 Litern Wasser und 4 Litern Kraut dauert knapp eine Stunde.

    Eintrag Nr. 68:

    Erst einmal ein Kompliment und ein Dankeschön für Ihre tolle, informative Seite...
    Nun meine Frage(n):
    1)Ist es prinzipiell egal ob der Kessel mit einer offenen Flamme (Gasbrenner) oder mit einer elektrischen Heizquelle erhitzt wird, oder spielt der schnellere Temperaturanstieg bei einer offenen Flamme auch eine Rolle?
    2)Diese Frage beinhaltet eigentlich mehrere Fragen und ist sicherlich schwer (wenn überhaupt) zu beantworten. Ich hoffe, ich drücke mich verständlich aus: Wie kann ich wissen, welches die optimale Menge der Gewichtsanteile von Droge/Wasser sind, um die größtmögliche Ausbeute an ätherischem Öl zu erhalten?
    Wenn ich also z.Bsp. 250 Gramm getrocknete Pfefferminzblätter zum Destillationsvorgang verwende, wievel Liter Wasser benötige ich dazu, um die maximale Ausbeute zu erhalten? Wann wird also "nichts" mehr aus der Droge herausdestilliert? Sicherlich, so könnte ich es mir vorstellen, spielt es auch eine Rolle ob die Pflanze frisch oder getrocknet ist, sowie um welche Pflanze (Kamille, Pfefferminz, Calendula, etc.) und welchen Pflanzenteil (Blüte, Kraut, Blatt) es sich handelt? Gibt es dazu "verbriefte" Richtwerte?
    Ich hoffe, dass der Fragenkomplex nicht zu verworren ist und bedanke mich für eine Beantwortung recht herzlich.
    Asmus Clausen


    Asmus Clausen, Cuxhaven
    14.Mai.2004 00:46:27


      Danke!
      ad 1: Nein, es ist egal, mit welcher Heizquelle Sie aufheizen. Einziges Kriterium: das Wasser muß stark kochen.
      ad 2: Bei annähernd allen Drogen kommt das ätherische Öl überwiegend zu Beginn der Destillation, außer z.B. bei harten Pflanzenteilen wie Zimtrinden, das Zimtöl kommt etwas verzögert aus der Anlage. Verwenden Sie 1,5 bis 2 Liter Wasser, wenn Sie mit einem Drogenvolumen von bis zu 7 Litern arbeiten, das ist ausreichend. Dann destillieren Sie in mehrere Fläschchen (Inhalt ca. 200 ml) bis sie voll sind. Sie können gut dreiviertel des Wassers abdestillieren, die Anlage sollte aber niemals trockenlaufen. Somit erhalten Sie ca. 1-1,5 Liter Hydrolat und ätherisches Öl. Natürlich können Sie weiter Hydrolat gewinnen, wenn mehr Wasser zugegeben würde, allerdings läßt die Qualität dann bereits stark nach. Auch bei den 250 g Pfefferminze nehmen Sie 1,5 Liter Wasser, das ätherische Öl der Minze kommt überwiegend zu Beginn, aber auch die Hydrolate sind hervorragend. Sie können damit rechnen, daß in den ersten drei Fläschchen à 200 ml ätherisches Öl vorhanden ist, wobei sich der größte Anteil in der ersten Flasche sammelt. Dann kommt überwiegend nur noch Hydrolat.
      Die Ölausbeute hängt ganz klar von der jeweiligen Pflanze ab. Minzen haben z.B. viel Öl, Zitronenmelissen eher wenig. Bei Kräutern können Sie gernell das gesamte Kraut verarbeiten. Verbriefte Werte gibt es nicht, denn die Ausbeute hängt sehr stark auch von der jeweiligen Region und der Sonneneinstrahlung ab. Je mehr Sonne, umso mehr Öl.
      Frisch oder getrocknet macht z.B. bei der Minze keinen großen Unterschied, wichtig ist allerdings die Trockentechnik (siehe Fachfrage 66).

    Eintrag Nr. 67:

    Fr. Doktor,
    jetzt kommt wieder bald die Zeit für ätherisches Öl der Nadelhölzer. Da bieten sich mehrere Möglichkeiten an: aus nackten dünnen Ästen (ohne Nadeln usw.), aus den Nadeln, aus den Zapfen oder aus allem zusammen. Was würden Sie empfehlen? Daß alles so klein wie möglich geschnitten werden muß ist mir klar.
    Vielen Dank für Ihre Antwort!


    Moritz, Tirol
    13.Mai.2004 14:03:42


      Sie können aus allen drei Teilen, also den Ästen, Nadeln und Zapfen, ätherisches Öl herstellen. Am leichtesten ist natürlich eine Mischung daraus. Verwenden Sie allerdings nur die dünnen Ästchen.

    Eintrag Nr. 66:

    Muss das Pflanzenmaterial vorher getrocknet werden oder kann ich z.B. frische Petersilie zerkleinern und eine Wasserdampfdestillation durchführen? Wenn Trocknung erforderlich, bitte Beispiel. (tolle seite übrigens)

    boris bernhagen, hessen
    10.Mai.2004 19:13:25


      Man kann natürlich auch frische Pflanzen zum Destillieren verwenden, Trocken ist nicht erforderlich. Wenn Sie trotzdem Trocknen möchten: Pflanzen ernten, in Bündeln umgekehrt in einem dunklen, gut durchlüfteten Raum aufhängen (nicht über 30°C). Nach einer Woche sollte Trocknung abgeschlossen sein, dann luftdicht und dunkel aufbewahren, z.B. in Gläsern. Nicht in Kunststoffsäcken.
      :-)
      Danke.

    Eintrag Nr. 65:

    Gratulation zu dieser Seite! Bin auf Zufall darauf gestoßen, dachte immer, daß ich der einzige bin, der versucht ätherisches Öl selber herzustellen.
    Frage:
    Anscheinend habe ich mit dem Zerkleinern übertrieben, jedenfalls habe ich Anissamen zerstoßen und dann destilliert. Das ätherische Öl war OK, aber beim Abbau sah ich dann die Misere: Am Kesselboden hat sich eine ca. 0,5 cm hohe angekohlte Schicht gebildet, obwohl die Samen, so wie's Sie auch beschreiben nur ÜBER dem kochenden Wasser waren. Habe ca. 2 Stunden geputzt...
    Kann man das irgendwie verhindern?


    Königstein, Krems
    05.Mai.2004 11:32:49


      Danke!
      :-)
      Bei einigen Rohstoffen wie Samen oder Zimtrinden hat man dieses Problem. Wird die Droge zerkleinert, dann kommen die feinen pulverförmigen Anteile auf den Kesselboden. Dies führt dann beim Kochen dazu, daß diese Festoffe anbrennen. Verwenden Sie zukünftig ein Geschirrtuch o.ä., das Sie über den Aromakorb spannen. Danach brennt nichts mehr an, weil der Staub nicht mehr zu Boden fällt.
      Wir hatten das gleiche Problem bei unserem letzten Seminar mit Zimt. Das Einsetzen des Tuches hat perfekt funktioniert.
      Das Problem tritt auch bei der Herstellung von Kamillenöl auf, wenn man mit getrockneten Pflanzen arbeitet.

    Eintrag Nr. 64:

    Hallo Fr. Dr. Malle,
    vielen Dank für die Beantwortung meiner Frage (Nr. 62). Habe das ganze Kraut in die Destille getan, hat einwandfrei funktioniert. Aber dabei ist eine weitere Frage entstanden: das ätherische Öl hat eine braune Farbe. Liegt das an der Destille (z.b. verunreinigte Kühlschlange o.ä.) oder ist das normal?


    Kalusi, Bremen
    03.Mai.2004 16:33:58


      Viele ätherische Öle haben eine Eigenfarbe. So ist z.B. Kamillenöl dunkelblau, Thymianöl braun. Also eine braune Färbung des Öles ist durchaus normal.

    Eintrag Nr. 63:

    Hallo Frau Doktor,
    habe Pfefferminze destilliert, super Ausbeute übrigens. Mir sind ein paar Tropfen daneben gegangen auf's Tischtuch (Verbundmaterial: Gewebe und darüber dünner schaumartiger Kunststoff). Das ätherische Öl hat mir ein Loch ins Tischtuch gefressen! Habe ich jetzt Gift erzeugt?
    Danke für Ihre Antwort


    Klaus, Wien
    28.Apr.2004 16:47:38


      Ja tatsächlich, Sie haben Gift erzeugt. Das hat aber nichts mit Ihrer Destillierkunst zu tun, das sind natürliche Gifte der Pflanze. Die meisten ätherischen Öle sind sehr aggressiv (z.B. werden Polystyrol oder PVC angegriffen) und zum Teil auch giftig. Im Mittelalter wurde z.B. unliebsamer Nachwuchs mit Pfefferminzöl getötet, hierfür wurden die Lippen der Babys mit Pfefferminzöl benetzt. Alle ätherischen Öle sind hochkonzentriert, daher sollten Sie diese ohne medizinischesn Wissen auch nicht einnehmen, und nur in verdünnter Form anwenden. Wenn Sie allerdings ein Tröpfchen Öl auf den Handrücken reiben, um den Duft zu probieren, dann passiert nichts.

    Eintrag Nr. 62:

    Hallo,
    hätte da eine Frage: um ätherisches Öl zu gewinnen, darf man da nur die Blüten verwenden, oder kann das gesamte Kraut zum Destillieren genutzt werden?


    Kalusi, Bremen
    21.Apr.2004 16:10:24


      Bei Kräutern kann man meist das ganze Kraut verwenden, wobei bei Kräutern das Öl überwiegend in den Blättern zu finden ist. Blüten verwendet man z.B. bei Jasmin. Bei Lavendelöl kann sowohl aus den Blüten, dem Kraut oder auch beiden Öl destilliert werden. Das Öl aus den reinen Blüten hat dabei die beste Qualität.

    Eintrag Nr. 61:

    Mal abgesehen von den Lösemittelrückständen: enthält ätherisches Öl, welches nicht mittels Wasserdampfdestillation, sondern mit Lösemitteln extrahiert wurde, die gleichen Wirkstoffe?

    Hugo, Niederbayern
    15.Apr.2004 15:27:57


      Prinzipiell enthält das ätherische Öl das mittels Extraktion gewonnen wurde, ebenfalls die gleichen Wirkstoffe. Allerdings führen die Lösmittelrückstände dazu, daß diese unter anderem mit den Aromen als auch den Wirkstoffen chemische Verbindungen bilden können, die bis heute ungeklärt sind. In wieweit hier die Wirkstoffe beeinflußt werden, diese Tatsache wird noch in den Labors erforscht.

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