Fachfragen zum Thema Ätherische Öle


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    Eintrag Nr. 383:

    Hallo erstmal
    bin was das destillieren angeht ein Neuling und habe deshalb so ein paar Fragen.
    1. kann ich wenn ich einen Schnellkochtopf (mit Siebeinsatz) nutze die Dämpfe direkt über einen Liebigkühler kondensieren (Maße des Kühlers l. 40 cm, Durchmesser ca. 1,5 cm)
    2. wie bringe ich die Verbindung zwischen Kühler und Schnellkochtopf zustande. Reicht da ein Gummistopfen?
    3. Kann ich, da das Hydrolatwasser ja eigentlich nichts anderes als eine Emulsion ist, es mit synthetischen Spaltmitteln trennen um eine bessere Ausbeute an Öl zu erhalten?


    Bernd, Deutschland / NRW
    08.Jul.2011 18:44:44


      ad 1) ja
      ad 2) Silikonschlauch bzw. -stopfen. Auch Kork ist möglich. Gummi wird von den ätherischen Ölen angegriffen.
      ad 3) Hydrolat kann trüb, also eine Emulsion, sein, ist es aber nicht immer. Viele Bestandteile sind auch im Hydrolat gelöst. Natürlich ist es sinnvoll durch Brechen der Emulsion zu versuchen die Ausbeute zu erhöhen. Es hat sich jedoch gezeigt, dass der Ölanteil meist (sehr) gering ist.

    Eintrag Nr. 382:

    Hallo nochmal,
    unsere Linde blüht. Ich find in dem Buch leider keine Infos zur Lindenblüte und deren Destillation. Erntezeitpunkt analog zu anderen Blüten frühmorgens? Frisch oder angetrocknet destillieren? Schon Erfahrungen dazu gesammelt?
    Liebe Grüße nach Klagenfurt, Anja


    Anja, Deutschland
    05.Jul.2011 12:40:33


      Lindenblütenöl wird in Co-Destillation mit Copaiva-Harz hergestellt, durch Lösemittel-Extraktion (Lindenblüten Absolue) oder mittels CO2-Extraktion. Ob es gelingt dieses Öl auch durch "normale" Wasserdampfdestillation herzustellen, ist mir nicht bekannt. --> einfach einmal ausprobieren. Die Ausbeute wird jedoch verhältnismäßig gering sein. Ich würde frisch destillieren und nur frühmorgens ernten, wenn die Blüte dann am stärksten duftet, ansonsten früher Nachmittag, an einem sonnigen Tag.

    Eintrag Nr. 381:

    Hallo Helge, hallo Bettina,
    die Destille ist angekommen und nach dem Seminar bleiben dann doch noch Fragen übrig, die ich auf diesem Wege loswerden möchte:
    Die Ausbeuteberechnung von Euch: Geht ihr da von dem Gramm-Gewicht des Pflanzenmaterials und den daraus gewonnenen ml aus oder wiegt ihr dann das gewonnene Öl?
    Welche Pflanzen brauchen jetzt noch mal Entschäumer? Zwiebel und Ingwer hab ich mir aufgeschrieben. Gab es da noch etwas?
    Dann - was ist der weiße Nebel im Hydrolat?
    Und zu guter Letzt - vielen Dank für das inspirierende Seminar. Es hat mir große Freude bereitet.


    Anja, Deutschland
    15.Jun.2011 19:19:11


      ad 1) Nein, wir wiegen das Öl nicht ab. Ätherische Öle haben grob geschätzt ein spezifisches Gewicht (Dichte) von ca. 0,8 bis 1,2 g/ml, in der Regel liegt der Wert sogar noch viel näher bei 1,0. Der Fehler der berechneten Ausbeute - wenn das spez. Gewicht nicht berücksichtigt wird - ist somit geringer als ein Fünftel. Dies ist für den Hobbybereich vollkommen ausreichend, da es hier nur um die Größenordnung der Ausbeute geht. Wenn die berechnete Ausbeute ohne spez. Gewicht also 1% beträgt, liegt der wahre Wert zwischen 0,8 und 1,2%, normalerweise eher zwischen 0,9 bis 1,1%. Jedenfalls ist sie dann nicht 0,1% oder 10%.
      ad 2) Schalen von Zitrusfrüchten, wie Zitronen- oder Orangenschalen.
      ad 3) Das ist das ätherische Öl welches sich noch nicht abgesetzt hat. Wenn Sie die Flasche einige Monate stehen lassen, bildet sich bei leichten Ölen an der Hydrolat-Oberfläche ein Fettauge wie in einer Suppe. Oder es bilden sich, bei schweren Ölen, winzig kleine Kügelchen am Boden der Flasche.
      ad 4) danke das freut uns! Gutes Gelingen!

    Eintrag Nr. 380:

    Hallo, ich habe eine Wasserdampfdestille -ähnlich der Leonardo, allerdings mit 25l Fassungsvermögen (natürlich auch das Buch "Ätherische Öle selber herstellen) und überlege Harze bzw. Baumnadeln zu destillieren.
    Nun meine Frage: Legen sich Harzteile in der Destille/Kühlung etc. ab und wenn ja, wie kann ich die dann wieder entfernen, ohne den weiteren Funktionsbetrieb meiner Destille zu gefährden?
    Vielen Dank,
    Alandariel


    Alandariel, Österreich
    12.Jun.2011 22:55:27


      Ja, das Problem ist uns bekannt. Das war auch der Grund warum wir die Leonardo-Anlage entwickelt haben. Wegen der Kühlkuppel bleiben so gut wie keine Ablagerungen von zähflüssigen Ölen oder Harzen in der Anlage zurück, im Gegensatz zu anderen Anlagen, die z.B. mit einem Schlangenkühler ausgestattet sind.
      Enfernen lassen sich eventuelle Rückstände bei der Leonardo ganz einfach mit warmen Wasser, einer Flaschenbürste, Geschirrspülmittel und einem Putzschwämmchen. Bei anderen Kühlsystemen, ohne direkten Zugang, müssen die Rückstände herausgelöst werden. Dazu entweder Weingeist (Alkohol mit 96%vol) oder Aceton verwenden. Beim Alkohol darauf achten, dass er nicht vergällt (vergiftet) ist und tatsächlich 96%vol Alkoholgehalt hat, da ein kleinerer Alkoholgehalt viele Öle nicht auflösen kann. Vorteil: nicht giftig, Lösung kann direkt als Parfumbestandteil o.ä. verwendet werden. Wird die Lösung in einer kleinen flachen Schüssel einige Tage offen stehen gelassen, verdunstet der Alkohol, übrig bleibt das Öl/Harz. Oder, mit Wasser verdünnt, in die Duftlampe geben. Nachteil: Weingeist ist vergleichsweise teuer und nur in gewissen Apotheken erhältlich. Aceton hat den Vorteil, dass es noch viel besser Öle auflösen kann, Nachteil: reizt Haut und Atemwege, leicht narkotisch. Fazit: solche Lösungen nicht mehr für Körperpflege verwenden oder in Duftlampe geben.

    Eintrag Nr. 379:

    hallo,
    kann man aus wallnussblätter ätherisches öl gewinnen? und wenn, muss ich dann die blätter erst trocknen ...


    dimi, deutschland
    24.Mai.2011 03:07:29


      Ätherisches Öl ist in geringer Konzentration enthalten (ca. 0,01% bei getr. Blättern), ob es gelingt dieses auch zu gewinnen, ist mir leider nicht bekannt. Einfach ausprobieren! Ich würde zuerst frische Blätter verwenden (im Dampfraum zumindest ca. 3,5 Liter Blätter, darunter ca. 1 Liter Wasser) und bei Erfolg dann getrocknet versuchen. Es wäre sehr nett, wenn Sie hier das Ergebnis des Versuches kurz beschreiben würden, wird sicher viele Leser interessieren. Danke!

    Eintrag Nr. 378:

    Ist meine Refluxdestille zur Herstellung aetherischer Oele geeignet? Meine Kolonne ist 75 cm hoch und hat einen Durchmesser von 5 cm. Zur Kuehlung verwende ich ein 2,5 cm Dampfrohr, umgeben von einem 5 cm Kuehlungsrohr. Den Durchfluss des Kuehlwassers kann ich regulieren. Der Dampftopf ist 100 Liter gross und beinhaltet ein Aromasieb. Die Fragen sind:
    1. ob durch die hohe Kolonne zuviel Druck entsteht. Gefuellt habe ich die Kolonne nicht, weil ich Ueberdruck vermeiden will.
    2. Durch die Groesse der Anlage ist es schwierig die optimale Temperatur zu finden. Ist es besser langsam zu heizen oder schnell zu heizen? Ich heize mit Gas und fuelle mit ca. 5 Litern Wasser. Wenn die Anlage kuehl und mit Kraeutern gefuellt ist, dauert es ca. 1 Stunde bis der Dampf aufgestiegen ist und sich Kondensat bildet. Bis dahin kocht das Wasser aber schon eine ganze Zeit.


    Manoli, Griechenland
    13.Mai.2011 21:01:00


      ad 1) Ein Problem mit dem Druck werden Sie nicht haben, aber durch die Höhe der Kolonne werden die schwerer flüchtigen Bestandteile des ätherischen Öles fehlen. Daher besser die Kolonne weglassen und den Dampf vom Kessel direkt in die Kühlung leiten.
      ad 2) Nur beim Schnapsbrennen ist es wichtig auf die Heizleistung zu achten. Bei der Wasserdampfdestillation ist dies hingegen nicht relevant, wichtig ist nur, dass genügend Dampf entsteht. Es kann somit durchaus stark kochen. Anmerkung: der Wasserdampf sollte eigentlich immer die gleiche Temperatur haben, die Sie nicht beeinflussen können sondern physikalisch vorgegeben ist... Tipp: 5 Liter Wasser auf 95 Liter Pflanzenmateriel erscheint mir gefühlsmäßig wenig, versuchen Sie es doch mit 10 Liter. Dass es einige Zeit dauert, bis der Dampf das gesamte Pflanzenmaterial bis oben hin durchdringt, ist ganz normal.

    Eintrag Nr. 377:

    Hallo!
    Ist Ätherisches Öl aus trockenes Obstholz (natürlich zerkleinert) per wasserdampfdestillation zu gewinnen?. (Pflaume, Apfel, etc...).
    Danke!


    Gonzalo, NRW Deutschland
    08.Mai.2011 17:05:50


      Nein, solche Hölzer enthalten kein ätherisches Öl.

    Eintrag Nr. 376:

    Hallo und danke für die Antwort, nochmals zu der Schwertlillie, ich habe vor drei Jahre die knollen geschällt und in zwei bis drei Zentimeter lange düne Streifen getroknet, (in eine Holzkiste aufbewahrt) soll ich diese jetzt das besprühen und trocknen lassen methode unterziehen? werden sie auf diesen Weg fermentieren? was passiert bei der fermentation?

    vielen Dank!


    Gonzalo, NRW Deutschland
    28.Apr.2011 11:47:14


      Wenn die Streifen während dieser drei Jahre Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsschwankungen ausgesetzt waren, sollte es ausreichen. Ansonsten, wie beschrieben, mehrmals befeuchten und dazwischen immer wieder trocknen lassen. Fermentation ist ein mikrobiologischer Prozess, auf deutsch "Gärung". Die bekannteste Fermentation, die alkoholische Gärung, ist hier jedoch nicht gemeint. Vergleichbar ist dies mit schwarzem Tee oder schwarzem Pfeffer: Beide entstehen durch Fermentation aus grünem Tee bzw. Pfeffer. Auch Tabak wird durch Fermentation erst rauchbar (daher auch braun), getrocknete grüne Tabakblätter stinken fürchterlich beim Verbrennen. Durch die Fermentation ändert sich nicht nur die Farbe, auch das Material wird quasi "gelockert", wodurch sich bei Hölzern und Wurzeln die ätherischen Öle besser destillieren lassen. Bei einigen Sorten werden die ätherischen Öle erst durch Fermentation gebildet, z.B. bei Iriswurzel.

    Eintrag Nr. 375:

    Allerwunderschönsten guten Tag! =)
    Kurz gehaltene Fachfrage zu Leonardos Meisterwerk, eine exakte Antwort wird nicht Möglich sein, grobe Bereichsangaben und eventuelle Beispiele sind gefragt, ganz untypisch für euer Fachgebiet, ich bitte im Voraus für Verzeihung ;P
    Allgemein gehalten, welche Duftstoffe lassen sich am effizientesten mit der Destille zu Ölen verarbeiten? Was sollte man eher pressen?
    Wie exakt muss man Pflanzen etwa vom Grün trimmen, um nicht mit falschen Bestandteilen zu kämpfen?
    Und noch eines: Welche Gerätschaften werden zur Kaltpressung in eurem Buch empfohlen?
    Ich danke herzlichst =)


    Benjamin, Wien
    26.Apr.2011 10:18:47


      Auf Grund Ihrer Fragen schließe ich, dass Sie unser Buch "ätherische Öle selbst herstellen" noch nicht kennen. Kann ich Ihnen nur sehr empfehlen!
      Nur Zitrusfrüchte werden gepresst um ätherische Öle zu gewinnen. Obwohl auch bei diesen Früchten eine Wasserdampfdestillation sinnvoll ist, weil dann die Wachse, Harze und Farbstoffe abgetrennt werden, das Öl ist dann farblos und feiner, der Duft "reiner". Auch die Bezeichnung ist unterschiedlich: Orangen- und Zitronenöl wurden gepresst, Orangenschalen- und Zitronenschalenöl stammen aus einer wasserdampfdestillation. In der Regel enthalten gepresste Zitrusöle jedoch auch destillierte Anteile, weil der Pressrückstand oft noch destilliert wird. Alle anderen gepressten Öle sind fette Öle, haben mit ätherischen Ölen nichts zu tun.
      Ansonsten können alle anderen ätherischen Öle mittels Destillation hergestellt werden, einzige Beschränkung ist hier die Ausbeute. Bei einigen Pflanzen ist die Ausbeute dermaßen gering, dass in solchen Fällen nur mehr eine Lösemittelextraktion oder Enfleurage sinnvoll ist.
      Welche Pflanzenteile das ätherische Öl enthalten ist von der jeweiligen Pflanze abhängig (Wurzel, Blätter, Äste, Holz, Rinde, Blüten, Samen...). Angaben dazu finden Sie im Buch im Kapitel "Rohstoffe zum Destillieren". Auch bezüglich Kaltpressung ist es am besten, wenn Sie direkt im Buch nachlesen.

    Eintrag Nr. 374:

    Hallo nochmals!
    Ich lese in eine eure Antworten das Ätherische Öle kalt aber nicht in Kühlschrank gelagert werden sollen... Warum? (Ich habe die empfindlichste Öle in K. aufbewahrt!)


    Gonzalo, NRW Deutschland
    24.Apr.2011 10:29:06


      Weil dann (abhängig von der Sorte) gewisse Bestandteile fest werden und ausfallen oder gleich das gesamte Öl fest wird. Zwar kann man durch erwärmen alles wieder verflüssigen, jedoch geht das auch mit einem warmen Wasserbad nur mühsam. Einfach bei Zimmertemperatur stehen lassen genügt im Allgemeinen leider nicht.
      Um sich diese Prozedur zu ersparen, kühl, aber nicht im Kühlschrank, lagern.

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