Diskussion über ätherisches Öl


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Geringe Ausbäute und brauner Rückstand im Restwasser
von: Robert am 15.Mai.2015 18:05:28
Region: Berlin

Guten Tag,
vor einiger zeit habe ich mich mit Hilfe Ihres Buches über das Destillieren von Ätherischen Ölen belesen und bin seit dem dabei eine Quallitativ hochwertige Destille für wenig Geld zu bauen (Es ging nur so günstig weil ich das Labormaterial fast geschenkt bekommen habe).

Ich nutze einen Schnellkochtopf als Kessel. Dieser war schon ausgestattet mit einem Sieb, welches ich nur mittels eines Silikonschlauches abgedichtet habe uns zusätzliche löcher rein bohrte, da mir die Anzahl der Öffnungen zu gering vorkam. Über das Sieb lege ich ein Baumwolltuch. Nach der Destillation sind die stellen, an den das Tuch ein Loch verdeckte dunkler, als das Restliche Tuch, welches hell gelb braun wird.

Die Kühlung des Dampfes habe ich mit einer 250 mm langen Destillierbrücke und einen 500 mm Dimrohrkühler bewältigt. Die Kühlung ist für die Destillation absichtlich über proportioniert. Das Hydrolat kommt mit nicht mal mit 20°C unten an.

Für ein schonendes Destillieren nutze ich eine Wasserstrahlpumpe. Da ich kein Barometer habe kann ich nicht messen, wie stark der Unterdruck ist, aber die Temperatur kann ich auf 80°C senken. Es wird kein Dampf und keine Flüssigkeit ein gesaugt. Das würde ich bei den durchsichtigen Silikonschläuchen bemerken.

Als Auffangbehälter nutze ich 250 mm Messzylinder.

Für die Destillation nutze ich den Gasherd auf der größten Flamme.

Ich Teste die Apparatur mit Minze, da ich sie sehr günstig auf den Wochenmarkt bekomme. Für eine Destillation verwende ich immer genau ein kg. Ich vermute allerdings das die Qualität der Minze sehr bescheiden ist, da sie nicht besonders intensiv riecht. Ich zerkleiner die gesamte Pflanze mit Stängel. Dennoch habe ich mit einer höhere Ausbeute als ca. 1 - 2 ml gerechnet.

Was noch erwähnt werden solle: Für ein kg Minze befülle ich mein Topf mit 1,5 l Leitungswasser und Destilliere so lange, bis ich ein Liter Hydrolat bekomme (dies Dauert ca 30 min).
Nach dem Abkühlen der Apparatur ist das restliche Wasser (ca 250 ml, den Rest vermute ich in der Droge) im Topf Tief braun und an den Stellen an denen die Flammen den Topf berühren ist etwas fest gebrannt.

Ist damit immer zu rechnen, oder zeigt das ein Fehler meiner Destille auf?

Ich bedanke mich für Ihr bemühen, mir zu Helfen.

Gruß

Robert
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 RE: Geringe Ausbäute und brauner Rückstand im Restwasser
von: Schmickl am 10.Jun.2015 22:50:17
Region: Kärnten

- Anbrennen ist keinesfalls optimal, dadurch riecht auch das ätherische Öl angebrannt.
- Besser wäre ein feinmaschiges Netz oder einen Dünsteinsatz zu benutzen, da sind die Löcher sehr eng gesetzt, zahlreich und gleichmäßig verteilt. Wenn der Dampf teilweise nicht durch die Droge strömt, weil in der Platte nur hie und da ein Loch ist, entweicht natürlich kaum Öl. Der Dampf sucht sich den leichtesten Weg direkt senkrecht nach oben. Durch die Pflanzenschüttung alleine ergibt sich keine gleichmäßige Dampfstromverteilung über den gesamten Querschnitt vom Topf.
- Ja, ja die Vakuumdestillation... Industriell werden ätherische Öle nach der Herstellung gereinigt bevor sie weiter verarbeitet werden. Diese Reinigung ist im Wesentlichen eine Rektifikation unter Vakuum. In diesem Fall steht das Öl literweise zur Verfügung, die Kühlung ist mehrstufig, als letztes eine Kühlfalle mit flüssigem Stickstoff. Klar: je niedriger der Siedepunkt, desto kälter muss auch die Kühlung sein, damit wirklich alles was bei Normaldruck kondensiert im Unterdruck ebenfalls kondensiert. Jedoch die Wasserdampfdestillation, also die Herstellung der ätherischen Öle, geschieht unter Normaldruck. So wie Sie Ihre Apparatur beschreiben, wird ein Großteil der leicht flüchtigen Substanzen mit der Wasserstrahlpumpe in die Kanalisation gesaugt, bei 20°C (!!!) Destillattemperatur! So warm ist nicht einmal die Nordsee im Sommer. Und nein, man sieht Dampf nicht, man sieht Aerosole. Also Flüssigkeitströpfchen im Gas, spricht DAMPF, den man nicht sieht...
Kurzum: 1 kg Minze enthält (aus industrieller Sicht) sowieso schon eine schwindend kleine Ölmenge, und durch die Summe der Fehler der beschriebenen Konstruktion bleibt davon kaum mehr was übrig. Wundert mich, dass überhaupt was rauskommt.
Aber: Erfahrung macht klug! Viel Spaß beim Weiterbasteln!

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Design und Implementierung:
Helge Schmickl